Taiwans investiert in Standort Deutschland
Der Fachbereich Wirtschaft des CDU Kreisverbandes Vechta hat gemeinsam mit dem JU Kreisverband Vechta zum Podium „Taiwans Bedeutung für unsere heimische Wirtschaft“ nach Holzhausen eingeladen. Der Stellv. CDU-Kreisvorsitzende Philip Wilming und JU-Kreisvorsitzender Jonas Bürmann begrüßten die rund 50 Gäste im Dorftreff Holzhausen und starteten mit einer Betriebsbesichtigung der benachbarten Firma Elektro Warnking GmbH. Geschäftsführer Stefan Warnking führte die Gruppe durch das Unternehmen und stellte die Produktion von Schaltschränken, sowie die Entwicklung individueller Lösungen in den Bereichen Betriebstechnik und Elektrosysteme vor. Während der Führung unterhielt der Firmeninhaber die Teilnehmer nicht nur mit fachlicher Kompetenz, sondern auch mit verschiedenen Anekdoten aus der Holzhausener Geschichte und unterstrich damit seine starke Heimatverbundenheit.
Im Anschluss lauschten die Gäste dem Vortrag des Ehrengastes, dem Generaldirektor der Taipeh Vertretung in der Bundesrepublik Deutschland, Herrn Shang-Yu Chen aus Taiwan. Der ranghohe Diplomat sprach über Taiwans Situation in der aktuellen Weltpolitik und erklärte die enorme wirtschaftliche Bedeutung der Beziehungen zwischen Deutschland und Taiwan, sowie die damit verbundenen Herausforderungen aufgrund der schwierigen Verhältnisse mit China. Generaldirektor Chen sprach zudem über die großen Gemeinsamkeiten Deutschlands und Taiwans in Bezug auf Demokratie und Rechtsstaat. Während seiner hochinteressanten Ausführungen herrschte im vollbesetzten Dorftreff völlige Stille. Das Publikum aus jungen Leuten, Unternehmern und interessierten Bürgerinnen und Bürgern zeigte sich beeindruckt von der wirtschaftlichen Stärke Taiwans (Wirtschaftswachstum: 8,7% im Jahr 2025, voraussichtlich bis zu 13% in 2026) und der engen Verflechtung des Asiatischen Inselstaats mit dem deutschen Mittelstand.
Unter der Moderation von Philip Wilming entwickelte sich im Anschluss an den Vortrag des hochrangigen Ehrengastes eine lebhafte Podiumsdiskussion. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner Taiwans in der EU. Über 90 Prozent des Weltmarktes für High End Microchips, wie sie bspw. für Smartphones, KI-Anwendungen und Rechenzentren benötigt werden, kommen aus Taiwan. Unternehmer Stefan Warnking betonte: „Würde Taiwan von China angegriffen, bräche unsere Wirtschaft wie auch viele weitere Bereiche in kürzester Zeit völlig zusammen.“
Wilming ergänzte „Der Ukraine-Krieg hatte große Auswirkungen u.a. auf den Weltmarkt für Getreide, der Iran-Konflikt und die damit verbundenen Probleme in der Straße von Hormus haben die Spritpreise drastisch erhöht, würde jedoch Taiwan vom Weltmarkt abgeschnitten, implodierten unsere Lieferketten in kürzester Zeit was zu katastrophalen Folgen für unsere Wirtschaft wie auch Teile unserer Sicherheitsarchitektur führe“. Vor dem Hintergrund der aktuellen Probleme in der Energiepolitik Deutschlands fragte Philip Wilming nach der Energiepolitik Taiwans. Der Gast aus Fernost erklärte das Taiwan ebenso wie Deutschland nun den völligen Ausstieg aus der Atomenergie vollzogen habe. Mit 98% des Energiebedarfs importiert Taiwan aber noch deutlich mehr Energie als die Bundesrepublik, jedoch betragen die Energiepreise nur knapp 30% im Vergleich zu Deutschland. Dies gelänge durch große staatliche Subventionen, so Generaldirektor Chen. Der Diplomat machte auch die immer größer werdende Bedeutung Taiwans für den Standort Deutschland durch bereits laufende Investitionen deutlich: Der Taiwanesische Halbleiter Hersteller TSMC geht aktuell ein Joint Venture mit den deutschen Firmen Bosch und Infeneon, sowie dem niederländischen Unternehmen NXP ein. In Sachsen werden aktuell 10 Mrd. Euro in ein neues Halbleiterwerk investiert. Das Werk nimmt bereits 2027 die Produktion auf. Ebenso würden Taiwanesische Unternehmen weitere große Investitionen überall in Deutschland planen, jedoch gäbe es auch Unsicherheiten. Eine geplante Investition in Mecklenburg-Vorpommern würde zurzeit noch in Frage stehen, weil man Sorge vor einem Sieg der AfD in dem Bundesland habe, verriet Chen. „Politische Stabilität, Innovative und weltoffene Unternehmen und große Kompetenz finden Sie natürlich besonders bei uns im Oldenburger Münsterland“ hob Wilming hervor. Auch aus dem Publikum meldeten sich Stimmen die eine örtliche Kooperation mit dem Tigerstaat wünschten. Die Vechtaer CDU Bürgermeisterkandidatin Anna Frohn hob in ihrem Grußwort den bereits stattfindenden kulturellen und wirtschaftlichen Austausch auf unterschiedlichen Ebenen mit Taiwan heraus und erzählte das sie bereits seit vielen Jahren gute Beziehungen zur Taipeh Vertretung pflege. JU-Chef Jonas Bürmann teilte mit, man wolle als Junge Union den Dialog mit der Taipeh Vertretung ausbauen und einen Austausch der jungen Generation fördern. Generaldirektor Chen zeigte großes Interesse an Vechta und dem Oldenburger Münsterland. Er habe sein Amt im letzten Jahr angetreten und sei das erste Mal hier. Er sei sehr beeindruckt von der wirtschaftlichen stärke aber auch der positiven Grundhaltung der Menschen in dieser Region. Zum Ende der über dreistündigen Veranstaltung vereinbarten die Vertreter der Politik und der Taiwanesische Diplomat in ständigem Austausch bleiben zu wollen. Ein Treffen sei bereits für den Oktober in Hamburg geplant verriet Philip Wilming. Generaldirektor Chen sprach zudem eine Einladung nach Taiwan aus: Dort würde man mit den deutschen Freunden gerne über die Zukunft im Bereich „Smart City“ in Austausch treten, denn Taiwan entwickelt sich ebenso rasant zum globalen Vorreiter für intelligente und vernetzte Stadtentwicklung.
Zum Bild:
v.l. Stefan Warnking (Warnking Elektrotechnik), Jonas Bürmann (JU), Anna Frohn (Bürgermeisterkandidatin Vechta), Shang-Yu Chen (Diplomat Taiwan), Philip Wilming (CDU)
(Foto: CDU)